Necla Kelek: Die unheilige Familie

Rezension von Oliver Guntner

 

Die Soziologin und Frauenrechtlerin Necla Kelek entwickelt in ihrem Buch „Die unheilige Familie“ weitreichende Gedankengänge zu einem stabilen, demokratischen Zusammenleben zwischen „Orient & Okzident“. Grundlegend für die Entwicklung von mehr Gleichberechtigung und größerem Schutz Bedürftiger (in erster Linie Frauen und Kinder) ist für sie das Verständnis islamisch geprägter Familienbilder. Aus diesem konzipiert sie, indem sie soziale Prozesse analysiert, Thesen zur Ausweitung des demokratischen Zusammenlebens und zur Stärkung der Menschenrechte.

Die titelgebende „unheilige Familie“ definiert sie als patriarchalisch-dominanten und religiös legitimierten Willkür männlicher Familienmitglieder über Frauen und Kinder. An zehn Familiengeschichten zeigt sie, wie die geistig überalterte und in fanatischer Angst vor Machtverlust getriebene männliche Domäne das soziale Rückgrat eines politischen Islams bildet.

Die Autorin versteht es, mit klarer logischer Schlussfolgerung aus ihren Analysen die soziale Trennung, Ghettoisierung und Isolation Migrierender in der westlichen Welt zu veranschaulichen und zu begründen. Als stringent verlaufende Kette veranschaulicht Frau Kelek die Probleme, die sich aus der starren und unzeitgemäßen Auslegung des Korans und den Überlieferungen des Propheten ergeben: Angefangen bei der Herabwürdigung, quasi Entmenschlichung von Frauen und Mädchen zum Besitz-Objekt, referiert sie über die unterschiedlichen Ehe- und Familienverständnisse. Sie stellt dar, wie die westliche Welt dazu beiträgt, Parallelgesellschaften Raum zu geben, somit weiter Angst und Unsicherheit in der Bevölkerung schürt und damit Demokratie und Grundrechte gefährdet. 

Im folgenden ist ein Auszug des Inhaltsverzeichnis wiedergegeben:

  • Dschāhilīya – die Lage der Frauen in der vorislamischen Zeit
  • Die „Herrenreligion“ - Max Webers Charakteristik des Islams
  • Die Frau als Beute
  • Ehe und Recht
  • Das Recht auf körperliche Unversehrtheit
  • Kontrolle über Kopf und Körper
  • Familiengeschichten und Flüchtlingsgespräche
  • Die dysfunktionale Familie – oder Fluchtursache Patriarchat
  • Familie, Frauen, Integration
  • Forscher auf falscher Fährte
  • Die Positionen einiger Islamverbände zu Ehe und Familie
  • Frauenrechte und Kinderschutz – ein langer Kampf
  • Familien-, Frauen- und Kinderrechte: Was getan werden muss

Frau Keleks erster Verdienst besteht darin, über bestehende Verhältnisse aufzuklären. Dies gelingt ihr mit der Abbildung realer Familienschicksale. Indem sie Verstehen und Verständnis über Motive, Situation und soziale Vorprägung skizziert, ermöglicht sie uns, mit den erhaltenen Informationen in Diskurs und Debatte zu gehen. Ein einprägsames Credo im Buch lautet: „An den Rechten der Schwachen misst sich die Demokratie.“ Mit der „unheiligen Familie“ zeigt Frau Kelek, dass die Notwendigkeit zum Handeln nicht nur präsent ist – in Hinblick auf die weitere globale Entwicklung ist sie akut.